Kernbotschaft über das Wohlbefinden

Mann sitzt auf Couch und spricht mit Therapeut
Gewichtszunahme ist normal und wird in der Kindheit und Jugend erwartet. Jede relevante Gewichtsveränderung (z. Bsp. minus 1kg in einer Woche) sollte in jedem Gewichtsbereich (auch im Übergewicht!) ernst genommen werden.
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Diäten schon in der Kindheit erhöhen die Wahrscheinlichkeit eine Essstörung zu entwickeln signifikant und begünstigen eine Gewichtszunahme im späteren Leben.
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Körperliche Aktivität sollte vor allem Vergnügen bereiten und nicht zur Gewichtsregulation dienen.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Wohlbefinden

Mann mit geistiger Störung, Krankheit, Beeinträchtigung, psychiatrischen oder psychologischen Problemen
Essen für Gesundheit und Wohlbefinden

Gestörtes Essverhalten führt aus Sicht von Angehörigen und Eltern oft zu einer überraschend schnellen Gewichtsveränderung (da es zu Beginn oft keine krankhaften Ausmaße hat bzw. nicht als krankhaft wahrgenommen wird). Entsprechend fallen z.T. schwerwiegende medizinische Folgen oft erst spät auf.

Es gibt viele Gründe, warum Betroffene auffälliges oder gar gestörtes Essverhalten entwickeln. Am tragen dazu Stimmungsschwankungen, körperliche oder seelische Krankheiten bei bzw. Wachstumsschübe oder der Eintritt in den Leistungssport. Betroffene von Essstörung neigen im Vergleich zu anderen jedoch stark dazu, dieses Verhalten beizubehalten und sich darin zu verlieren.

Eltern müssen Kindern klar machen können, dass Gewichtszunahme während des Wachstums und der körperlichen Entwicklung für Kinder und Jugendliche normal sind und für eine gesunde Entwicklung erforderlich sind. Sie haben immer das Recht, besorgt zu sein, wenn Ihr Kind nicht angemessen (entsprechend der Gewichts- und Größenperzentilen) an Gewicht zunimmt oder nicht wächst.

Was ist Unterernährung

Es mag Sie vielleicht überraschen, aber Mangelernährung kann tatsächlich jedem passieren, egal ob er übergewichtig, normalgewichtig oder untergewichtig ist. Unterernährung tritt auf, sobald eine Person nicht ausreichend genug Nahrung zu sich nimmt, um seinen Energiebedarf zu decken. Bei Heranwachsenden ist Mangelernährung insbesondere schädlich, da Wachstum und Entwicklung beeinträchtig sind und die Betroffenen, den alterstypischen Entwicklungsaufgaben nicht gerecht werden können (Fachleute sprechen dann von „verpassten Entwicklungsschritten“). Dies führt oft zu einer spiralartigen Verstrickung in das Störungsbild (aufgrund Angst- und Unsicherheit bedingter zunehmender Selbstvorwürfe und Schuldgefühle).

Ein Mangelzustand kann jeden Menschen betreffen, der schnell abgenommen hat (z.Bsp. 500g oder mehr pro Woche), auch wenn er oder sie noch normalgewichtig oder übergewichtig ist. Aus „klinisch/therapeutischer Sicht“ spricht man bereits bei einem scheinbar „kleinen“ Gewichtsverlust von z. B. 2,5 kg bei einem Gewicht von 50 kg als erstes Diagnosekriterium, da dies bereits 5% des gesamten Körpergewichts entspricht.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Unterernährung auftreten kann:

  1. Wenn der Körper über einen bestimmten Zeitraum nicht genug Nahrung erhält (Kalorische Zufuhr < Bedarf)
  2. Wenn der Körper über einen längeren Zeitraum nicht genügend Vielfalt an Nahrung erhält, was zu einem Mangel an Vitaminen, Mineralien und Proteinen führt

Diäten sind die am „ältesten“ bekannte Möglichkeit, mit der Menschen versuchen, die Menge und Vielfalt ihrer Nahrungsaufnahme einzuschränken, was in den allermeisten Fällen – insbesondere ohne ärztliche oder anderweitig professionelle Unterstützung – zielsicher zu Unterernährung führen kann.

Mangelernährung wirkt sich auf das körperliche, kognitive und soziale System der Betroffenen aus:

  • Zu den körperlichen Auswirkungen gehören eine reduzierte Körperkerntemperatur und Kälteempfindlichkeit (rasches Frieren), wobei Betroffene häufig auch absichtlich frieren, um „mehr Kalorien zu verbrennen“ (siehe auch: Mythen und Fakten).
  • Unterernährung hat Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, was aufgrund einer niedrigen Herzfrequenz zu Schwindel oder Ohnmachtsanfällen führt (Low-T3 und Low-T4 Syndrom).
  • Die Entwicklung des Fortpflanzungssystems kann sich verzögern oder es kann nicht normal funktionieren; es kann zudem zu gravierenden Störungen beim Wachstum kommen (v.a. bei primärer Ammenorhoe). Betroffene können zudem über Magen-Darm-Probleme klagen, als Folge von Veränderungen der Darm-Flora (v.a. bedingt durch rigide Lebensmitteleinschränkungen)
  • Ein unterernährtes Gehirn führt schnell zu Veränderungen des Denkmusters. Für Betroffene wird es schwieriger sein, Entscheidungen zu treffen, ihr Konzentrationsniveau aufrechtzuerhalten und neue Informationen adäquat zu verarbeiten.
  • Stimmungsschwankungen, erhöhte Reizbarkeit bzw. eine deutlich niedrigere Reizschwelle (wie in der Snickers-Werbung) treten häufig im Zusammenhang von Unterernährung auf. Betroffene erscheinen depressiver oder ängstlicher. Aktuelle Forschung (siehe auch: Forschung) bestätigt, dass Betroffene im erheblichen Ausmaß Schwierigkeiten damit haben, Emotionen zu erkennen und auszudrücken.
  • Soziale Situationen werden von Menschen mit Essstörung als wesentlich stressiger wahrgenommen und sind im Zuge der Entwicklung einer Essstörung immer weniger daran interessiert, Zeit mit ihren Freunden und ihrer Familie zu verbringen (um eine Auseinandersetzung mit dem Thema Essen/Figur und Gewicht zu vermeiden)

Auch Überernährung stellt natürlich ein Problem dar. Ergebnisse der zweiten Welle einer Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2, 2014-2017) zeigen, dass 9,5 % der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 3 und 17 Jahren übergewichtig und 5,9 % adipös sind. Übergewicht entwickelt sich, wenn jemand konsequent mehr Nahrung zu sich nimmt, als für seine körperlichen Bedürfnisse erforderlich ist (Kalorische Zufuhr > Bedarf). Gilt dieses Ungleichgewicht über einen längeren Zeitraum, kann es zu einer kontinuierlichen Gewichtszunahme führen und die Gesundheit einer Person negativ beeinflussen. Übergewicht in der Kindheit ist ein Risikofaktor für Essstörungen (v.a. Binge-Eating-Störung) und Adipositas im Erwachsenenalter.

Mehr Informationen auf der Seite: „Alles rund um das Thema Essstörung“

Sollte dein Kind gesichert Unter- oder Übergewicht haben, sprich mit der zuständigen Kinderärztin/ dem Kinderarzt über dein Anliegen (Nutz hierzu gern den Ausdruck am Ende des Fragebogens als Unterstützung). Sollte dies in Verbindung mit einem gestörten Ess- und/oder Bewegungsverhalten auftreten, solltest du selbst zwingend auch professionelle Unterstützung aufsuchen und einfordern.

Der Behandlungsschwerpunkt sollte auf einem gemeinschaftlichen Ansatz liegen, der  Eltern intensiv miteinbezieht (Systemische Therapie, Familientherapie, FBT nach Maudsley). Der Fokus bei der Behandlung von (adipösem) Übergewicht sollte darauf liegen, sich auf gesündere Verhaltensweisen anstelle auf die Gewichtsabnahme zu konzentrieren. Mehr Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten im Allgemeinen erhalten sie hier (Behandlung und Therapie von Essstörung).

Was ist Binge-Eating?

Einige Betroffene mit Essstörungen leiden an sogenannten Binge-Eating-Episoden (Essanfälle). Diese Episoden zeichnen sich durch drei Merkmale aus:

  • Ein subjektives Gefühl des Kontrollverlustes, sowie
  • anschließendes ausgeprägtes Scham- und Schulderleben sowie Verstrickung in selbstabwertende Gedankenspiralen (bis hin zu Selbsthass)
  • Der Verzehr einer Menge an Lebensmitteln, die viel größer ist, als die meisten anderen Menschen im gleichen Zeitraum konsumieren könnten

Binge Eating ist in der Regel mit einem hohen Maß an Scham und Verzweiflung verbunden, weswegen Betroffene die entsprechenden Verhaltensweisen oft verbergen (z. Bsp. nur nachts essen) und ansonsten für Außenstehende „völlig normal“ erscheinen.

Es kann bestimmte Ereignisse oder Situationen geben, die die Wahrscheinlichkeit von Essattacken erhöhen, die sogenannten „Trigger“ (Auslöser). Dies kann ein einzelnes Vorkommnis oder eine Aneinanderreihung bestimmter Situationen sein (d.h. auch vom Naturell / der Impulsivität der Betroffenen ab bzw. wie viele als negativ eingestufte Eindrücke sie bereit sind „auszuhalten“). Auslöser können negative Emotionen und/oder Gedanken über ihre Körperform oder -größe sein oder „nur“ viel über Essen nachzudenken (z. Bsp. unter Druck zu stehen, nach einer Einladung zum Essen). Ein nicht zu unterschätzender und wirklich signifikanter Risikofaktor für Essanfälle ist das Weglassen oder Einschränken von Nahrung (Diagnosekriterium: chaotisches Essverhalten).

Mehr Informationen gibt es auf der Seite: „Alles rund um das Thema Essstörung

Verhaltensweisen, die auf Gewichtsregulation abzielen

Betroffene mit Ess- und Körperbildproblemen können Verhaltensweisen an den Tag legen, die darauf abzielen, die Nahrungsmengen, die sie gegessen haben, zu kompensieren oder damit in Zusammenhang stehende Emotionen wie Angst und Schuld zu reduzieren. Diese „kompensatorischen Verhaltensweisen“ müssen prinzipiell immer als gefährlich eingestuft werden und umfassen beispielsweise Diäten, übermäßiges oder exzessives Training, selbstinduziertes Erbrechen sowie die Einnahme von Abführmitteln, „Diätpillen“ oder Diuretika.

Es ist wichtig, dass Angehörige und Eltern schnell handeln, wenn sie eine oder mehrere dieser Verhaltensweisen bemerken.

Mehr Informationen zu Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen und gestörtes Verhalten zu begrenzen findest du hier:  Behandlung und Therapie von Essstoerung

Diätische Bestrebungen

Prinzipiell weiß man heute, dass Diäten nicht wirksam sondern fast ausschließlich schädlich sind – solange sie nicht professionell begleitet und medizinisch indiziert sind. Die sinngemäße Definition von Diät lautet im Übrigen (sinngemäß aus dem Altgriechischen): „Die Weisheit der gesunden Lebensführung“.

Leider ist diese Idee durch die Nahrungsmittelergänzungs- und Gesundheitsindustrie vollkommen pervertiert worden. Dabei werden schnelle Erfolge versprochen, ohne dabei (wesentlich) auf medizinische Komplikationen einzugehen oder hinzuweisen. Diäten helfen kurzfristig Gewicht zu verlieren, führen auf lange Sicht jedoch meist zu einer weiteren Gewichtszunahme. Sie können zu vielen Problemen mit der körperlichen und geistigen Gesundheit führen und stellen eines der Hauptrisikofaktoren für Essstörungen dar.

Diäten zielen am Häufigsten auf diese drei Bereiche ab:

  • Das Ändern regelmäßiger Essgewohnheiten, z. B. Auslassen ganzer Hauptmahlzeiten (und im schlimmsten Fall, das gleichzeitige Verknüpfen mit Erfolgsbotschaften, damit etwas „Großartiges“ erreicht zu haben, indem man eigene Bedürfnisse, wie Hunger, missachtet)
  • Signifikante Einschränkung und Begrenzung der Menge verzehrter Lebensmittel
  • Vermeidung bestimmter Arten von Lebensmitteln oder Lebensmittelgruppen (z. Bsp. völliger Verzicht auf Kohlenhydrate – siehe auch Mangelernährung/ Checkliste Essen)

All diese Aspekte können Binge-Eating und damit das Entwickeln einer umfassenden Esskontrollsymptomatik begünstigen (aufgrund neurologischer Veränderungen infolge der Mangelernährung). Der beste Weg, um eine gesunde Lebensführung zu erhalten, besteht darin, regelmäßig zu essen und körperlich angemessen aktiv zu sein.

Welche Probleme ergeben sich aus dem Erbrechen?

Selbstinduziertes Erbrechen gehört ebenfalls zu den kompensatorischen Verhaltensweisen, die auf die dysfunktionale Gewichtsregulation abzielen (v.a. um ängstlich besetzte Zunahmen zu verhindern).

Erbrechen kann zu ernsthaften medizinischen Komplikationen führen und führt für sich allein genommen eher zu einem (rapiden) Gewichtsanstieg als zu Gewichtsverlust, da der Körper versucht, die Elektrolytverluste durch metabolische Veränderungen und Wassereinlagerungen auszugleichen.

Weitere medizinische Folgen (z.T. auch von Unterernährung allgemein):

  • Austrocknung: Ihr Körper verliert viel Flüssigkeit, wenn Sie Diuretika verwenden oder übermäßig verwenden.
  • Elektrolyt-Ungleichgewicht: Wenn Sie sehr dehydriert sind, verlieren Sie Elektrolyte (Natrium, Kalium, Magnesium usw.), die wesentlich für die Aufrechterhaltung der Funktionalität ihres Körper sind. Ein Elektrolytungleichgewicht könnte zu Herzproblemen und sogar zum Tod führen.
  • Herzprobleme: Dazu können ein schnelles, flatterndes oder pochendes Herz und ein abnormaler Herzrhythmus gehören, der als Arrhythmie bezeichnet wird.
  • Niedriger Blutdruck: Ihr Blutdruck kann so niedrig fallen, dass Sie Gefahr laufen, in Ohnmacht zu fallen; schwere Stürze infolge können zu Schädeltraumata führen.
  • Probleme bei der Regulierung der Körpertemperatur: Wenn Sie nicht genug essen, um Ihren Körper zu versorgen, kann Ihre Körpertemperatur sinken, was zur Verlangsamung des Metabolismus bis hin zu Totalausfällen einzelner Organe führen kann
  • Schäden an Ihrer Speiseröhre: Häufiges Erbrechen (Einige betroffene Erbrechen bis zu 50x täglich) kann zu Mikrorissen und Einblutungen in der Speiseröhrenwand führen. Wenn diese reißt, kann es schwere und lebensbedrohliche innere Blutungen verursachen. Dies ist als Mallory-Weiss-Syndrom Hellrotes Blut in Ihrem Erbrochenen ist ein Hinweis und sollte unverzüglich einer Ärztin/ einem Arzt vorgestellt werden. Häufiges Erbrechen kann auch dazu führen, dass Ihre Speiseröhre platzt. Dies wird als Boerhaave-Syndrom bezeichnet. Betroffene, die das Glück haben, jemanden in der Nähe zu haben, der diesen Vorfall bemerkt und den Notarzt kontaktiert, haben eine Chance, das (durch eine OP) zu überleben.
  • Saurer Reflux: Wenn der untere Teil Ihrer Speiseröhre beschädigt wird, kann Magensäure zurück in den Mund transportiert werden. Das verursacht Verdauungsstörungen und Sodbrennen, Mundtrockenheit und Halsschmerzen.
  • Allgemeine Verdauungsprobleme: Erbrechen kann Ihren Magen und Darm dauerhaft schädigen und andere Probleme wie Verstopfung, Durchfall und Reizdarmsyndrom begünstigen oder verursachen.
  • Hormonelle Probleme: Unregelmäßigkeiten oder Wegfall der Periodenblutung (sekundäre Amenorrhoe), Fruchtbarkeitsprobleme (bei Kinderwunsch) sind häufige Nebenwirkungen
  • Diabetes-Verbindung: Wenn Sie Typ-1-Diabetes und eine Essstörung haben, können Sie auch eine Erkrankung haben, die Diabulimie genannt wird. Der Begriff beschreibt Menschen mit Diabetes, die Insulin benötigen, aber absichtlich weniger nehmen, als sie sollten, um Gewicht zu verlieren. Dies kann zu ernsthaften Gesundheitsproblemen wie Schlaganfall, Koma und Tod führen.
  • Karies und Mundprobleme: Die Magensäure im Erbrochenen kann den Zahnschmelz schädigen und Ihre Zähne empfindlich gegen Hitze und Kälte machen. Magensäure kann auch Ihre Zähne verfärben und Zahnfleischerkrankungen verursachen. Durch das Erbrechen entstehen schmerzhafte Wunden in den Mundwinkeln und Schmerzen im Hals. Zudem kann zu vergrößerten Speicheldrüsen in Ihrem Mund führen ( verbreiteter Bulimie-Kiefer)
  • Heisere Stimme: Wenn Sie sich oft übergeben, kann Magensäure Ihre Stimmbänder reizen und Ihre Stimme beeinflussen.
  • Russells Zeichen: Wenn Sie regelmäßig Ihre Finger benutzen, um sich zu übergeben, kann sich die Rückseite Ihrer Fingergelenke verfärben oder schwielig werden. Diese Hauterkrankung wird als Russell-Zeichen
  • Haar-, Haut- und Nagelprobleme: Wenn Sie nicht genug Nährstoffe bekommen, werden Ihre Haare, Nägel und Haut trocken und können leicht abbrechen. Das Haar wird dünner und fällt aus. Erbrechen kann kleine Venen im Gesicht, sichtbare großflächige rote Bereiche um den Mund oder einen violetten Hautausschlag verursachen.
  • Pankreatitis: Dies ist eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, die Schmerzen, Übelkeit und Erbrechen zusätzlich verstärken kann. Unterernährung verstärkt das Risiko zusätzlich.
  • Schwierigkeiten während der Schwangerschaft: Erbrechen (v.a. in Verbindung mit Mangelernährung) erhöht das Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt oder eines Kaiserschnitts. Neben Geburtskomplikationen ist das Risiko für Fehlbildungen beim Säugling sowie einer Wochenbettdepression erhöht.

Betroffene versuchen ihr Erbrechen zu verbergen, zum Beispiel indem sie nach dem Essen duschen (um Brechgeräusche zu überdecken) oder indem sie sich häufig die Zähne putzen oder auffallend häufig Minzbonbons verwenden. Eine Möglichkeit Erbrechen zu begrenzen ist das gezielte (gemeinsame) Überwachen der Betroffenen nach dem Essen, für mindestens eine Stunde. Verbringe die Zeit mit deinem Kind so angenehm wie möglich.

Übermäßige oder exzessive Bewegung

(Junge) Menschen mit Ess- und Körperbildproblemen sind körperlich oft sehr viel aktiver als Gleichaltrige und nutzen Bewegung in auffällig unangemessenem Ausmaß (z.B. ständiges Stehen, aktives Vermeiden von Sitzen, unnötige Umwege gehen usw.). Für Angehörige und Eltern ist Bewegung nicht sofort als krankhaft offensichtlich. Schädigende Ausmaße werden erst über Konflikte oder sichtbare körperliche Veränderungen (gravierender Gewichtsverlust) deutlich. Typische Aktivitäten umfassen beispielsweise wiederholende und eintönige Bewegungsmuster (Sit-Ups, Liegestützte, Joggen, Hampelmänner/Hock-und-Strecksprünge usw.).

Im Folgenden finden Sie einige Hinweise für möglicherweise auffällige Bewegungsmuster:

  • Ihr Kind fühlt sich gezwungen, Sport zu treiben und berichtet Schuldgefühle oder Stresserleben, wenn er oder sie nicht trainieren kann/darf
  • Körperliche Aktivitäten zielen (auf Nachfrage) auf Veränderung der Figur oder des Gewichts ab
  • Das Thema Bewegung ist zunehmend zeitaufwendiger und verdrängt andere ansonsten normale Aktivitäten
  • Wenn ihr Kind trotz Verletzung, Erschöpfung, Krankheit oder gegen die Empfehlung von Bezugspersonen weiter trainiert
  • Wenn körperliche Aktivitäten heimlich durchgeführt werden
  • Wenn das Training (fast) immer alleine gemacht wird

Einhergehende Ängste und/oder Schuldgefühle, die Betroffene erleben, wenn sie versuchen dem Bewegungsdrang zu widerstehen, werden es ihnen sehr schwer machen, den Bewegungsdrang allein zu überwinden. Eltern müssen sehr wahrscheinlich (vorher fest definierte) Grenzen für den Umfang an Bewegung festlegen oder diesen zunächst vollkommen einschränken und sie intensiv dabei unterstützen und begleiten, z. Bsp. durch Ablenkung und gemeinsame nicht-körperliche Aktivitäten.

Indikatoren für medizinisch relevante Einschränkungen und Folgen

Mach dir bewusst, dass eine rasche Gewichts Ab- oder Zunahme über einen kurzen Zeitraum zu erheblichen Gewichtsschwankungen führen kann, die wiederum kompensatorische Verhaltensweisen verstärken. Achte auch auf allgemeine Veränderungen bei Stimmung, Kommunikation, sozialer Integration, schulischer Leistung und Alltagsgestaltung.

Typische Verhaltensweisen, die schnell zu medizinischen Komplikationen führen können, sind:

  • Wenn ihr Kind plötzlich aufhört zu essen oder seine Nahrungsaufnahme für einige Tage stark einschränkt
  • Einschränkung der Flüssigkeitsaufnahme über einige Tage
  • Zu viel Flüssigkeitsaufnahme (mehr als 3 Liter pro Tag); was meist als Appetitzügler dient
  • Selbstinduziertes Erbrechen mehrmals pro Woche (Hauptdiagnosekriterium!)
  • Regelmäßige Verwendung von Abführmitteln oder anderen Medikamenten, um das Gewicht zu beeinflussen bzw. eine Gewichtsreduktion zu begünstigen

Warnzeichen für medizinische Komplikationen, die Angehörige bemerken könnten, sind:

  • Ohnmachtsepisoden oder Schwindel
  • Ein unregelmäßiger, sehr schneller oder sehr niedriger Herzschlag (weniger als 50 Schläge pro Minute)
  • Sich klamm oder ständig kalt fühlen, mit kalten blauen Extremitäten
  • Schmerzen in der Brust oder Atembeschwerden
  • Beschwert sich über „Nadeln und Nadeln“ oder ist nicht in der Lage, ihre Hände oder Füße zu fühlen
  • Extreme Müdigkeit oder Erschöpfung
  • Wenn sich Blut im Stuhlgang, Urin oder Erbrochenes befindet
  • Verwirrung oder Desorientierung (z. B. nicht sicher, wo sie sich befinden)
  • Schneller Gewichtsverlust (500gm-1kg pro Woche für ein paar Wochen)

Wenn du nur ein einziges dieser Warnzeichen beobachtest, ist dringend eine Vorstellung bei der zuständigen Kinderärztin/ dem zuständigen Kinderarzt empfohlen. Im Zweifel stellst du dein Kind bei der örtlichen Unfall- und Notaufnahme vor, von wo aus gegebenenfalls direkt notwendige Schritte (z. Bsp. Wiederernährung) eingeleitet werden können.

Mehr Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten erhältst du hier: Behandlung und Therapie von Essstörung

Gezieltes Handeln ist gefragt (v.a. für Angehörige)

  • Überwache das Wachstum und die Entwicklung deines Kindes, insbesondere sein Gewicht und seine Größe (hilfreich sind hier auch die gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen ihrer Kinderärztin/ ihres Kinderarztes, „gelbes Heft“).
  • Zeigt dein Kind kompensatorische Verhaltensweisen zur Gewichtsregulation, ist es erforderlich, dass du aktiv eingreifst und Grenzen setzt, um das Verhalten zu stoppen. Es kann auch hier sehr nützlich sein, ein Protokoll darüber zu führen, wann die Verhaltensweisen auftreten und welche Verhaltensweisen beobachtet werden (siehe auch die Checkliste ECL24)
  • Wenn dein Kind widerständig auf deine Einschränkungen reagiert, sollte das deine Besorgnis auf Vorliegen einer ernsthaften seelischen Erkrankung und die Notwendigkeit professioneller ärztlicher und therapeutischer Unterstützung bestätigen
Illustration eines Gehirns

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