OSFED – other specified feeding or eating disorder

Bis 2013 lautete der medizinische Fachbegriff noch EDNOS (Eating Disorder Not Otherwise Specified). Durch die Neuerung können aber noch mehr Krankheiten erfasst werden, so zum Beispiel das Night-Eating. Anorexie, Bulimie und Binge-Eating-Störung werden anhand einer Liste erwarteter psychischer und körperlicher Symptome bzw. Verhaltensweisen diagnostiziert. Manchmal passen die Symptome einer Person aber nicht genau zu den erwarteten Symptomen für eine dieser drei spezifischen Essstörungen.

In diesem Fall könnte bei ihnen eine „andere spezifizierte Fütterungs- oder Essstörung“ (englisch original OSFED) diagnostiziert werden.

Wenn man die immens hohen Zahlen an Übergewichtigen (ca. 25% in der deutschen Gesamtbevölkerung – siehe Adipositas) noch um die wenigen Prozent der Untergewichtigen mit der Dunkelziffer der nicht in Behandlung befindlichen Betroffenen zusammen nimmt, kommt eine erschreckend hohe Zahl heraus: demnach leiden in etwa 30 Millionen Deutsche an einer Essstörungserkrankung! Dabei kann davon ausgegangen werden, dass die meisten in diese Kategorie (OSFED) fallen: ein bisschen hiervon, ein bisschen davon – aber nichts von alledem in einem Ausmaß, dass einem „ins Gesicht springen würde“. Auch hier gilt: Jeder Mensch eines jeden Alters, Geschlechts, ethnischer Zugehörigkeit oder kulturellem Hintergrund kann Symptome einer Essstörung entwickeln. Demnach ist OSFED genauso ernst zu nehmen, wie Anorexie, Bulimie oder Binge-Eating-Störung, vor allem, da sich aus OSFED eine dieser manifesten Essstörungsbilder entwickeln kann. Betroffene haben demnach denselben Anspruch auf eine fundierte und professionelle Behandlung genau wie jeder andere mit einer Essstörung.

Typische Störungsbilder bzw. Sub-Typen die unter den Oberbegriff OSFED fallen können:

  • Atypische Anorexie – Betroffene haben zum Beispiel alle Symptome einer Anorexia nervosa ohne das Untergewicht und/oder die Menstruation besteht noch
  • atypische Bulimia nervosa – Betroffene haben alle Symptome einer Bulimia nervosa, die Essanfälle bzw. kompensatorische Maßnahmen treten jedoch viel seltener auf, als im Vollbild üblich wäre (zum Beispiel nur in akuten Stresssituationen)
  • Binge-Eating-Störung – Betroffene haben alle Symptome einer Binge-Eating-Störung, die Essanfälle treten jedoch viel seltener auf, als im Vollbild üblich wäre (seltener als 2-mal die Woche oder nicht länger als 3 Monate)
  • Orthorexie – das zwanghaft gesunde Essen (wird aber häufig noch der Zwangsstörung zugeordnet)
  • Purging Syndrom – die Reinigungsstörung – die Nahrungsaufnahme wird mithilfe von Abführ- oder Entwässerungsmitteln und auch durch Erbrechen kontrolliert. Anders als bei der Bulimie isst die betroffene Person vorher aber nicht übermäßig viel.
  • Night-Eating-Disorder – das Nachtessen-Syndrom – bei dem man nachts aufwacht oder gar nicht einschlafen kann und dann unkontrolliert isst, teilweise ohne sich am nächsten Tag daran zu erinnern.
  • Chew and Spit – Kauen und Ausspucken – bei dem große Mengen Essen gekaut, aber nicht hinuntergeschluckt werden.
  • Pica-Syndrom – bei dem Dinge gegessen werden, die eigentlich keine Nahrung sind, etwa Erde.

Was kann ich tun, um bei einer Essstörung zu helfen?

1

Suche das Gespräch unter vier Augen:

Das Gespräch zu zweit hilft am besten. Eine Intervention, bei der gleich mehrere die Person auf das Problem ansprechen, ist für die Betroffene eher überfordernd und kann dazu führen, dass sie sich noch mehr zurückzieht.

2

Schildere nur deine Beobachtungen

Sag, was dir an der Person aufgefallen ist und warum du dir Sorgen machst, aber stelle keine Diagnose.

3

Sei sensibel

Sprich nicht in einem vorwurfsvollen Ton mit der Person, sondern versuche, dich wertschätzend und entgegenkommend auszudrücken.
Achtung: Sätze wie „Iss doch einfach mehr“ gehen gar nicht!

4

Sei beharrlich

Rechne damit, beim ersten Mal abgewiesen zu werden. Häufig schämen sich Essgestörte für ihr Problem und blockieren deshalb erstmal. Sprich es deshalb so oft an wie nötig.

5

Such dir Unterstützung

Es gibt inzwischen viele Beratungsstellen, die Betroffenen und Angehörigen helfen und über das Problem informieren, auch im Internet und völlig anonym.

Falls du Beratung zu dem Thema wünschst, kannst du hier einen Termin anfragen:

Beratungstermin

Durch den Begriff OSFED haben alle Menschen mit Essstörungssymptomatik die Möglichkeit, ihr Problem zu benennen und sich Hilfe zu suchen – ohne dass es sich dabei um eine der bekannten Hauptstörungsbilder handeln muss.

Risiken und Komplikationen

Ein häufiges Missverständnis über OSFED ist, dass es nicht so schwerwiegend sei wie eine „richtige Essstörung“ und wird daher nicht nur von Betroffenen und Angehörigen unterschätzt sondern auch von professionellen Behandlern. Eine Verzögerung der Behandlung kann jedoch dazu führen, dass sich das Störungsbild ausweitet und neue Symptome hinzukommen – bis hin zur Entwicklung einer der Hauptstörungsbilder. Betroffene mit OSFED benötigen eine Behandlung genauso wie Menschen mit jeder anderen Essstörung.

Symptome & Warnzeichen

  • Beschäftigung mit Essen und Essen
  • Beschäftigung mit Körperform oder Gewicht
  • Extreme Körperunzufriedenheit
  • Ein verzerrtes Körperbild haben.
  • Depression, Angst oder Reizbarkeit
  • Erhöhte Angst und / oder Reizbarkeit während der Mahlzeiten
  • Weigert sich, bestimmte Kategorien von Lebensmitteln zu essen
  • Geringes Selbstwertgefühl und Gefühle von Scham, Selbsthass oder Schuldgefühlen

Achte auf dein Umfeld!

Wenn dir etwas Ungewöhnliches am Essverhalten einer Person auffällt, sprich es an. Dafür ist es selten zu spät und nie zu früh, denn je schneller die Krankheit bekämpft wird, desto besser sind die Chancen, sie zu besiegen. Wenn du der Meinung bist, dass du oder jemand, der dir wichtig ist, an den oben beschriebenen Problemen leidet, ist es wichtig, so schnell wie möglich Hilfe zu suchen. Trotz einer erfolgreichen Behandlung kann es zu Rückfällen kommen. Die Nachsorge  oder begleitende Unterstützung bei einer laufenden Behandlung ist wichtig. Falls du Beratung zu dem Thema wünschst, kannst du hier einen Termin anfragen:

Beratungstermin

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